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Bieterverfahren: Warum ich einen anderen Weg gehe

Ich mag offene Bieterverfahren nicht. Wie ich stattdessen fair mit mehreren Interessent:innen für dieselbe Immobilie umgehe – zwei bewährte Alternativen.

Mehrere versiegelte Umschläge und ein Stift auf einem Holztisch – Symbolbild für eine diskrete Preisrunde

Kurz zusammengefasst

  • Offene Bieterverfahren, bei denen Interessent:innen sich gegenseitig hochbieten, mag ich persönlich nicht.
  • Bei mehreren gleichwertigen Angeboten braucht es trotzdem eine faire Lösung.
  • Meine beiden bewährten Wege: eine diskrete, einmalige Preisrunde – oder eine Bewerbung ums Zuhause, bei der nicht nur der Preis zählt.

Ein Bieterverfahren beim Hausverkauf bedeutet: Mehrere Kaufinteressent:innen bieten offen gegeneinander, bis die Person mit dem höchsten Gebot den Zuschlag erhält – ähnlich wie bei einer Auktion. Rechtlich ist das in Deutschland zulässig, ich setze es bei mir aber bewusst nicht ein. Warum, erkläre ich in diesem Artikel.

Ein Beispiel: zwei Paare, ein Haus

Vor einiger Zeit stand ich bei einem Einfamilienhaus in Bannewitz plötzlich vor genau dieser Situation: Zwei Paare hatten unabhängig voneinander zugesagt – zum vollen Angebotspreis, beide ernsthaft, beide mit bestätigter Finanzierung. Kein Kompromiss in Sicht, keine offensichtlich "bessere" Wahl. Genau in solchen Momenten schlagen viele Kolleg:innen ein klassisches Bieterverfahren vor: beide Parteien an einen Tisch, wer am Ende am meisten bietet, bekommt den Zuschlag.

Ich habe das nicht gemacht. Und das hat einen Grund.

Warum ich offene Bieterverfahren nicht mag

Ganz persönlich: Ich gehe ungern hin und lasse zwei Paare sich dann live nebeneinanderher überbieten. Das mag betriebswirtschaftlich der einfachste Weg sein, um den höchsten Preis herauszuholen – menschlich finde ich es unangenehm. Da stehen Menschen, die sich in ein Zuhause verliebt haben, und werden in eine Situation gedrängt, die sich für viele wie eine Versteigerung anfühlt, nicht wie der Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

Ich habe in meiner Arbeit als Maklerin mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun – jungen Familien, Paaren kurz vor der Rente, Alleinerziehenden. Für viele von ihnen ist der Kauf eines Hauses die größte finanzielle und emotionale Entscheidung ihres Lebens. Ein offenes Überbieten passt aus meiner Sicht nicht zu der Art, wie ich mit Menschen umgehen möchte – weder mit den Verkäufer:innen noch mit den Interessent:innen.

Trotzdem: Eine Lösung muss her

Gleichzeitig verstehe ich natürlich, dass es eine Lösung geben muss, wenn mehrere Interessent:innen zum Angebotspreis zugesagt haben. Verkäufer:innen können und sollen nicht einfach würfeln. Und "wer zuerst zugesagt hat, gewinnt" ist auch nicht automatisch fair – manchmal hat die zweite Zusage einfach zehn Minuten später stattgefunden, weil jemand kurz mit dem Partner telefonieren musste. Dass mehrere Interessent:innen bereit sind, mehr als den Angebotspreis zu zahlen, ist in gefragten Lagen wie Bannewitz ohnehin keine Seltenheit – warum, lesen Sie im Beitrag Warum der Marktwert mehr ist als eine Formel.

Unser Weg 1: die faire, diskrete Preisrunde

Unsere Lösung sieht in der Vergangenheit so aus: Wir nehmen noch einmal Kontakt zu allen Käufer:innen und Interessent:innen auf und informieren sie offen darüber, dass es aktuell mehrere gleichwertige Zusagen gibt. Jede Partei bekommt dann die Möglichkeit, einmalig einen Preis zu nennen, den sie persönlich für angemessen hält.

Wichtig dabei: Niemand sieht das Angebot der anderen Partei. Es ist keine Auktion, kein Hochschaukeln, kein offener Wettstreit – sondern eine einzige, diskrete Preisrunde. Je nachdem, wer danach den höchsten Preis aufruft, erhält den Zuschlag. Alle wissen vorher, wie das Verfahren abläuft, und alle haben exakt eine faire Chance, ohne sich gegenseitig beobachten oder überbieten zu müssen.

Unser Weg 2: die Bewerbung ums Zuhause

Manchmal wählen Eigentümer:innen aber auch bewusst einen ganz anderen Weg. Wenn sich mehrere Interessent:innen auf ein Haus bewerben, bitten wir sie um eine umfassende Bewerbung – ähnlich wie bei einer Mietwohnung: Wer sind Sie, warum genau dieses Haus, wie sieht Ihre Lebenssituation aus? Die Verkäufer:innen entscheiden sich anschließend für das Paar oder die Person, zu der sie den besten Bezug spüren – nicht zwingend für das höchste Gebot.

Das ist kein Weg für jede Verkäuferin und jeden Verkäufer. Aber für alle, denen wichtig ist, wer künftig in "ihrem" Haus lebt, ist es oft die stimmigere Lösung als jede reine Zahl.

Eine Einschränkung ist mir dabei wichtig: Die Auswahl nach Sympathie oder Lebenssituation darf niemals zu Diskriminierung führen – etwa aufgrund von Herkunft, Familienstand oder Familienplanung. Ich weise Eigentümer:innen in diesen Gesprächen aktiv darauf hin und achte darauf, dass die Entscheidung auf sachlichen, nachvollziehbaren Kriterien beruht.

Welcher Weg passt zu Ihnen?

Beide Wege haben eines gemeinsam: Sie geben allen Beteiligten eine faire, würdevolle Chance, ohne sie gegeneinander auszuspielen. Welcher davon zu Ihrer Situation passt, hängt von Ihnen als Eigentümer:in ab – manchmal zählt am Ende der Preis, manchmal das gute Gefühl, die "richtigen" Menschen gefunden zu haben. Beides ist legitim.

Und ganz ehrlich: Die schönste Situation ist es ohnehin, wenn es gar nicht so weit kommt – weil von Anfang an eine realistische Preisvorstellung und eine passende Zielgruppenansprache (mehr dazu in den Tipps zum Immobilienverkauf) dafür sorgen, dass sich genau ein:e richtige:r Interessent:in findet, statt gleich mehrere um dasselbe Haus konkurrieren zu lassen. Das gelingt nicht immer, aber genau daran arbeite ich von Anfang an. Ich bespreche mit Ihnen offen, welcher Weg zu Ihrer Immobilie und zu Ihnen passt, bevor es überhaupt so weit kommt.

Janine Kreiser, Immobilienmaklerin in Bannewitz

Über die Autorin

Janine Kreiser

Immobilienmaklerin in Bannewitz

Ich bin Bannewitzerin und begleite Eigentümer:innen in der Region ehrlich durch den Verkauf – von der realistischen Bewertung bis zur Übergabe. Mehr über meinen Weg und meine Haltung lesen Sie über mich.

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